Die Initiative Urheberrecht veranstaltet am 12. Dezember 2016 die Konferenz „Digitale Plattformen – Chancen + Probleme“ in der Akademie der Künste Berlin.

Die Folgen der Digitalisierung für den Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft sind schon länger in der Diskussion. Die Arbeits- und Lebensbedingungen in diesem wichtigen Wirtschaftsbereich ändern sich rasant. Der urheberrechtliche und sonstige Rechtsrahmen für die Tätigkeit der Plattformbetreiber ist aber noch äußerst ungeklärt und umstritten.

Im Folgenden äußern sich UrheberInnen und KünstlerInnen zur Situation und ihren Forderungen:


Die Entwicklung hin zu digitaler Distribution geht bekanntlich rasant voran. Urheber dürfen hier nicht auf der Strecke bleiben - es gibt viel zu tun.
Matthias Schweighöfer, Schauspieler und Produzent

Wir achten sehr genau darauf, in welchem Zusammenhang unsere Werke abgebildet werden.
Deswegen erlauben wir keine Nutzungen im Internet ohne technische Sicherung gegen Framing sowie ohne unser Einverständnis.
Wir fordern eine klare gesetzliche Regelung, so dass die Nutzung unserer Werke bzw. die Abbildungen unserer Werke nur dann zulässig ist, wenn wir unsere ausdrückliche Zustimmung gegeben haben.

Rosa Loy und Neo Rauch, Künstler

 „Was sind Sie von Beruf?“
„Schriftsteller.“
„Ich meine, was arbeiten Sie?“
„Ich schreibe, Erzählungen, Romane, gelegentlich Artikel oder Essays.“
„Nein, ich meine, wovon leben Sie denn?“

Ingo Schulze, Schriftsteller

Die Politik – in Berlin wie Brüssel – trägt eine große Verantwortung dafür, dass endlich auch in den digitalen Märkten faire Bedingungen herrschen, allen voran für die Urheber und Künstler, denn ohne uns fängt Kultur und Kunst auch digital erst gar nicht an.
Prof. Dr. Fred Breinersdorfer, Drehbuchautor und Produzent

Plattformen, die mit Rechten Dritter viel Geld verdienen, müssen auch uns, die Songwriter und Performer, einzeln und separat vergüten. Das gilt für Youtube, ebenso, wie für konkurrierende digitale Plattformen und Streamingdienste.
Julia Neigel, Sängerin

Wissen ist etwas anderes als Information. Wissen ist ein Vorschlag für die Einordnung, Gewichtung und Bewertung der unendlich vielen Informationen, die tagtäglich auf einen einströmen. Wissen erlaubt den Einzelnen zu verstehen, zu handeln und zu leben. Deshalb ist das Wissen so wertvoll und deshalb sind die Urheber von Wissen so wichtig. Mit seinem Vorschlag steht der Urheber von Wissen für seine Idee des Weltverständnisses ein. Es gibt kein Wissen ohne die Person, die für das Wissen steht. Das ist der Grund, warum sie geschützt, wertgeschätzt und entgolten werden muss. Sonst versinkt alles Wissen im Meer der Information.
Prof. Dr. Heinz Bude, Professor der Soziologie, Autor

Die Selbstverständlichkeit, mit der heute mit digitalen Speichermedien und im Internet Werke der Kunst an den Urhebern vorbei genutzt und weiterverbreitet werden, raubt einem den Atem – und mithin die Existenzgrundlage.
Prof. Janine Meerapfel, Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin

Sag nicht Content zu unseren Liedern!
Sag nicht Value, wenn Du Profit meinst!
Sag nicht Freiheit, wenn Du Kontrolle und Willkür willst!

Frank Dostal, Textdichter

Dass es immer mehr legale Plattformen gibt, die auch von den Nutzern angenommen werden, ist sehr zu begrüßen – aber wann erhalten die Künstler endlich einen fairen Anteil daran?
Antoine Monot, Jr., Schauspieler

Ich möchte, dass meine Werke im Internet gezeigt werden können – ohne dass eine Registrierung erforderlich ist oder die Webseite technisch gesichert werden muss.
Ich möchte nicht, dass jedermann meine Werke im Internet in seine eigene Webseite einbinden kann, ohne dass ich gefragt werden muss. Es ist mir wichtig, in welchem Kontext meine Werke gezeigt werden. Ich will mit meinen Werken weder für Werbung noch für politische oder religiöse Zwecke vereinnahmt werden.
Deswegen fordere ich eine klare gesetzliche Regelung, dass Framing nur dann zulässig ist, wenn ich meine ausdrückliche Zustimmung gegeben habe.

Thomas Ruff, Künstler

Alle Künstler wollen, dass ihre Werke verbreitet und wahrgenommen werden. Dazu bieten digitale Plattformen hervorragende Möglichkeiten. Wer mein Werk nutzt, schuldet mir eine Vergütung. Dass ich die bekomme, muss auch bei Digitalen Plattformen gewährleistet sein, sonst geht die Verbreitung mit Enteignung einher - das wäre eklatant gegen die Interessen der Kreativen.
Hinrich Schmidt-Henkel, Übersetzer

Das Tempo, mit dem sich die Verwertung unserer Werke ins Internet verlagert, ist atemberaubend. Es ist wunderbar, dass auf diese Weise immer mehr Menschen Zugang zu ihnen bekommen, aber wenn nicht bald faire Regeln für die Vergütung dieser Nutzung gefunden werden, bleiben die Urheber auf der Strecke. Es ist absurd, dass immer mehr Menschen von unseren Leistungen profitieren und wir immer schlechter davon leben können.
Hans-Werner Meyer, Schauspieler

Die Betreiber von Online-Plattformen reden gern von „teilen“, wenn es um kreative Werke anderer geht. Ein faires Miteinander kann aber nur dann gelingen, wenn Plattformen ihrerseits bereit sind, auch Verantwortung zu tragen und - fair nach dem Umfang der jeweiligen Nutzungen - ihre Erträge zu teilen.
Prof. Dr. Enjott Schneider, Komponist

Google, Youtube, Amazon und Co. sollen ihre Steuern zahlen und ihre Werbeeinnahmen mit allen Kreativen fair und gerecht teilen!
Prof. Klaus Staeck, Grafikdesigner, Karikaturist und Jurist

plattformen fordern kreativität,
plattformen arbeiten mit kreativen,
plattformen verdienen geld mit kreativität;
bezahlen plattformen kreative?

Frank-Michael Zeidler, Bildender Künstler

Ich fotografiere, um meine Sicht der Dinge zu zeigen, um Geschichten mit meinen Bildern zu erzählen. Klar, dass ich mich da freue, wenn meine Bilder eine möglichst große Reichweite im Netz erzielen. Worüber ich mich nicht freue ist, dass der EuGH mit seinem Urteil zum Framing mich quasi enteignet hat. So wie ich entscheide, was ich fotografiere, möchte ich auch darüber entscheiden, wo meine Arbeiten zu sehen sind und wer sie zeigt. Deswegen fordere ich eine klare gesetzliche Regelung, die die Nutzung nur da zulässt, wo dies der Urheber ausdrücklich durch seine Zustimmung, erlaubt.
Roland Geisheimer, Fotograf

Wir sind nicht das Ende der Kette, wir sind der Anfang der Wertschöpfungskette - und das wird nicht anerkannt. Was wären denn die Unternehmen, wenn sie unsere Leistungen oder unsere Produkte nicht hätten? Womit verdienten sie ihr Geld? Und diese Frage stellt sich, egal, ob wir über analogen oder digitalen Vertrieb sprechen.
Barbara Thuillier, Journalistin und TV-Produzentin
 


 
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In der Initiative arbeiten über 35 Verbände und Gewerkschaften zusammen, die die Interessen von insgesamt rund 140.000 UrheberInnen und ausübenden KünstlerInnen vertreten.